Richtig pipettieren – Best Practices

Richtig pipettieren – 10 Tipps

Kommt es vor, dass Sie sich über ungenaue Pipettierergebnisse ärgern? Mit diesen 10 einfachen Tipps verbessern Sie Ihre Ergebnisse dauerhaft:

  1. Auf Temperaturgleichheit achten: Pipette, Spitzen und Flüssigkeiten an Raumtemperatur angleichen (falls möglich)
  2. Pipette im gleichen Winkel halten: Pipette immer im selben Winkel von nicht mehr als 20° halten
  3. Eintauchtiefe beachten: Pipettenspitze beim Aspirieren 2-3mm in die Flüssigkeit eintauchen
  4. Abstreifen nach dem Dispensieren: Pipette nach dem Dispensieren abstreifen, so dass kein Tropfen an der Spitze hängen bleibt
  5. Spitzen vorbefüllen: Maximales Volumen 3x aspirieren und dispensieren
  6. Volumenbereich optimieren: Innerhalb des optimalen Volumenbereichs pipettieren (35-100% des maximalen Volumens bei Luftverdrängungspipetten)
  7. Erstes und letztes Dispensat verwerfen: Bei Mehrfachdispensierungen wird empfohlen, das erste und das letzte Dispensat zu verwerfen
  8. Pipettieren von viskosen Flüssigkeiten: Viskose Flüssigkeiten mit geringer Geschwindigkeit und im Modus "Revers Pipettieren" pipettieren
  9. Pipettieren von flüchtigen Flüssigkeiten: Flüchtige Flüssigkeiten zügig und im Modus "Revers Pipettieren" pipettieren
  10. Kalibrierung entsprechend der Flüssigkeitsdichte: Pipette entsprechend kalibrieren, wenn Pipettierflüssigkeit wesentlich andere Dichte als Wasser aufweist
     

Die Tipps können auch als Poster heruntergeladen werden.

Poster mit Tipps zum richtigen Pipettieren

Bevor Sie beginnen

1. Auf Temperaturgleichheit achten

Die Pipette, die Pipettenspitzen sowie die zu pipettierenden Flüssigkeiten sollten, falls es das Experiment zulässt, an die Raumtemperatur angeglichen sein.

Hinweis: Temperaturunterschiede können dazu führen, dass sich die Luft in der Pipette und der Pipettenspitze zusammenzieht oder ausdehnt. Dies wirkt sich negativ auf die Dosiergenauigkeit und -präzision aus.

Temperatur

Korrektes Pipettieren

2. Pipette im gleichen Winkel halten

Wenn immer möglich sollte die Pipette während des gesamten Pipettiervorgangs im selben Winkel gehalten werden. Dabei sollte ein Winkel von 20° nicht überschritten werden.

Hinweis: Wird der Winkel der Pipette während des Pipettierens verändert, ändert sich der hydrostatische Druck in der Pipettenspitze. Dies kann zu Abweichungen des Ansaugvolumens führen.

Einkanalpipette senkrecht gehalten und in einem Winkel von 20 Grad

3. Eintauchtiefe beachten

Um das gewünschte Volumen aufzunehmen, sollte die Pipettenspitze 2 – 3 mm in die Flüssigkeit eingetaucht werden. Ein zu tiefes Eintauchen der Pipettenspitze in die Flüssigkeit erhöht das Risiko, dass Flüssigkeitstropfen an der Außenseite der Pipettespitze hängen bleiben.

Hinweis: Flüssigkeitstropfen an der Außenseite der Pipettespitze können das Abgabevolumen verfälschen.

Pipettenspitze taucht 2-3mm in die Flüssigkeit im Well ein

4. Abstreifen nach dem Dispensieren

Nach dem Dispensieren der Probe gibt es drei Methoden, um die Pipettenspitzen aus dem Probengefäß zu nehmen, so dass kein Tropfen an der Spitze hängen bleibt.

  • An Seitenwand abstreifen
    (Standardmethode)
    Die Pipettenspitze wird nach dem Dispensieren an der Gefäßwand entlang geführt. Dieses Abstreifen wird empfohlen, um die genauesten Dispensierergebnisse zu erzielen.
  • Berührung der Flüssigkeitsoberfläche
    Nach dem Dispensieren wird die Pipettenspitze zur Flüssigkeitsoberfläche gesenkt bis der Tropfen die Flüssigkeit berührt und sich von der Spitze löst. Diese Methode wird empfohlen, wenn weniger als 1 µl dispensiert wird. Wird die Pipettenspitze an die Flüssigkeitsoberfläche gehalten, zieht diese den Tropfen an. Dies garantiert ein präzises Dispensieren.
  • In die Flüssigkeit dispensieren
    Eine Dispensierung direkt in die Flüssigkeit erfordert kein Abstreifen der Pipettenspitze an der Wand des Gefäßes. Diese Methode bietet sich bei geringen Dispensiermengen an, wenn keine Flüssigkeit an der Gefäßwand zurückbleiben soll.

Hinweis: Oft bleibt nach dem Dispensieren ein kleiner Flüssigkeitsrest (Tropfen) an der Pipettenspitze hängen. Diese drei Methoden entfernen den unerwünschten Tropfen von der Pipette.

Pipettenspitze, die ein Abstreifen an der Seitenwand, der Flüssigkeitsoberfläche und eine Dispensierung in der Flüssigkeit durchführt

Optimierung der Pipettierergebnisse

5. Spitzen vorbefüllen

Nach Aufstecken der Pipettenspitzen wird empfohlen, das maximale Volumen 3x zu aspirieren und zu dispensieren. Dies gleicht Temperaturunterschiede aus und befeuchtet den Luftraum innerhalb der Spitze. Wenn man die Vorbefüllung nicht durchführt, können die ersten Dispensate aufgrund von Verdunstung ein geringeres Volumen enthalten.

Hinweis: Die Verdunstung kann auch die Ursache für Tröpfchenbildung an der Pipettenspitze sein, da sie den Dampfdruck in der Pipette erhöht und die Flüssigkeit aus der Spitze drängt.

Leere Pipettenspitze und Pipettenspitze mit Flüssigkeit

6. Volumenbereich optimieren

Luftverdrängungspipetten zeigen die besten Ergebnisse zwischen 35 – 100 % ihres maximalen Volumens. Zudem ist ein Pipettieren innerhalb des optimalen Volumenbereiches weniger von der richtigen Pipettiertechnik des Benutzers abhängig und reduziert dadurch Pipettierfehler.

Mit Flüssigkeit gefüllte Pipettenspitze

7. Erstes und letztes Dispensat verwerfen

Bei Mehrfachdispensierungen wird empfohlen, das erste und das letzte Dispensat zu verwerfen.

Hinweis: Diese beiden Dispensate sollten nicht verwendet werden, weil sie die grössten Abweichungen enthalten. Insbesondere das letzte Dispensat sollte verworfen werden, da es den akkumulierten Fehler aller vorherigen Dispensierungen enthält.

8. Pipettieren von viskosen Flüssigkeiten

Viskose Flüssigkeiten sollten wegen der kleinen Öffnung der Pipettenspitze und der Elastizität der Luftsäule mit geringer Pipettiergeschwindigkeit aspiriert und dispensiert werden. Da sie zudem an der Innenwand der Spitze haften bleiben, sollten Sie den Modus „Revers Pipettieren“ verwenden, um diesen Effekt auszugleichen.

Hinweis: Im Modus „Revers Pipettieren“ wird eine zusätzliche Flüssigkeitsmenge aspiriert, welche anschließend verworfen wird.

9. Pipettieren von flüchtigen Flüssigkeiten

Führen Sie eine Vorbefüllung durch, um den Luftraum in der Pipette zu befeuchten. Flüchtige Flüssigkeiten sollten zügig im Modus „Revers Pipettieren“ mit verhältnismäßig hohen Pipettiergeschwindigkeiten pipettiert werden. Der Modus “Revers Pipettieren” enthält ein grösseres Probenvolumen, das den Verdunstungseffekt reduziert.

10. Kalibrierung entsprechend der Flüssigkeitsdichte

Es können signifikante Pipettierfehler auftreten, wenn Flüssigkeiten mit anderen physischen Eigenschaften als Wasser verwendet werden. Weisen die Flüssigkeiten wesentlich andere Dichten als Wasser auf, sollte die Pipette entsprechend kalibriert werden.

Hinweis: Pipetten werden werkseitig mit destilliertem Wasser bei Raumtemperatur getestet und kalibriert. Pipettierflüssigkeiten mit abweichender Dichte führen daher zu ungenauen Ergebnissen.
 

Mit Flüssigkeit gefüllte Pipettenspitze